Steter Tropfen höhlt den Stein
Klassenlehrerstunden am Beispiel der 5c
Der Stundenplan unserer Klassen 5 und 6 weist das "Fach KS" auf. Dahinter verbergen sich Klassenlehrerstunden. Aber was geschieht in diesen Stunden - zum Beispiel in der 5c? Sollte man nicht lieber eine Stunde mehr Fachunterricht machen? Im dritten Jahr an dieser Schule finde ich: Nein!
Schmücken der Klasse im Advent
Auch wenn hier und da Mitteilungen an die Eltern zu diktieren sind, die Klasse zu schmücken ist oder andere organisatorische Fragen anstehen (eben "Klassengeschäfte"), so liegt der eigentliche Schwerpunkt doch anders.
Die Kinder kommen nach vier Jahren Grundschule zu uns und treffen auf ein neues Umfeld und neue Mitschüler mit anderen Gewohnheiten und Charaktären. Da sind nach dem anfänglichen "Beschnuppern" Reibereien an der Tagesordnung. "Warum sind andere Leute eigentlich so komisch? Ich gehe doch ganz normal mit ihnen um!"
Fragen wie "Wer bin ich?", "Was kann ich gut, was möchte ich besser können?", aber auch "Wie fühle ich mich, wenn... " oder "Was könnte sich jemand anderes denken, wenn ..." führen in Übungen und Rollenspielen dazu, dass sich die Kinder selber kennen lernen, ihr Selbstwertgefühl en Stück weit entwickeln und lernen, sich in andere einzufühlen.
"Zeichnen auf Anweisung"
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Kommunikation. Wer redet, schlägt nicht. Auf Anweisung zeichnen ist gar nicht so einfach, wenn der Anweisende nicht sieht, was der Partner zeichnet und der Partner die Vorlage nicht kennt. Dem "Opponenten" im Konflikt sagen, wie man sich selber fühlt ("Ich-Botschaft") und was man eigentlich von ihm erwartet führt eher zu Zielen als Beschuldigungen wie "Du hast ..." oder, schlimmer, "Du bist..." .
Wann macht Prügeln besonders Spaß?
Und doch kommt es unter Kindern immer mal wieder zu Gewalt. Aber es gibt auch Maßnahmen dagegen. Wann macht denn das Prügeln besonders Spaß? Wenn viele Zuschauer dabei sind und anfeuern. Wie fühlt man sich, wenn die Anfeuerung weg ist? "Ziemlich blöd..." - "Das macht keinen Spaß mehr..." (O-Ton der beiden demonstrierenden Schüler).
Die Frage danach, was Gewalt eigentlich ist und wie man sie am besten vermeidet, beschäftigt uns in der "KS". Nicht bei allen Schülern sinkt die Erkenntnis sofort ein, aber die Themen kommen immer mal wieder, aus anderen Blickwinkeln und mit anderen Übungen.
Spiele wie das "Bildhauern" sind besonders interessant. Der "Bildhauer" und der "Ton" bekommen die Augen verbunden, das "Modell" und der "Assistent des Bildhauers" nicht. Der Assistent führt den Bildhauer zum Modell und zum Ton, der Ton muss der Form des Modells entsprechend "geformt" werden. (Die kleine Galerie oben zeigt nur Gruppen, bei denen es funktioniert hat).
Die anschließende Diskussion zeigt, dass solche Aufgaben nur gemeinsam gelöst werden können. Läuft der Ton ständig vor dem Bildhauer weg, kann es nicht klappen. Und ein Maß an Vertrauen muss auch da sein. Sich von "fremden Mitschülern" anfassen zu lassen möchte sich - geschlechterunabhängig - nicht jedes Modell oder jeder Ton zumuten. Daran muss man arbeiten - bildhauern sozusagen.
Fazit:
Im Großen und Ganzen dienen die Klassenlehrerstunden der Persönlichkeitsbildung der Schüler. Ich-Stärkung und Sensibilisierung für die Bedürfnisse und Reaktionen anderer entspannt auf lange Sicht das Zusammenleben im Klassenverband.
Steter Tropfen höhlt den Stein ...
THO