Pädagogisches Profil
"Die gute Schule kümmert sich um den ganzen Menschen. Sie bedient sich deshalb ganz anderer Verfahren als die bloße Unterrichtsanstalt. Hier kann man sie direkt von Jesus lernen.
Jesus ist ein Lehrer, aber er belehrt nicht - er zeichnet mit Worten nach, was er vorlebt und den Menschen zu befolgen nahelegt (…) er lässt die Kinder zu sich kommen ..."
(Hartmut von Hentig)
Dieses Zitat ist für unser Evangelisches Gymnasium Bad Marienberg das Leitmotiv unseres pädagogischen Profils. Dabei ist für uns besonders wichtig:
Der verpflichtende Ganztagsunterricht im G9-Gymnasium eröffnet uns die Möglichkeit, gemeinsam elementare Zeiterfahrungen zu machen und Zeit ganz im biblischen Sinne zu leben - Zeit haben, sich Zeit nehmen, Zeit geben, Zeit erleben, Zeit bewusst erfahren als eine von Gott geschenkte Dimension. Dieser ganzheitliche Ansatz führt immer wieder zu umfangreichen Begegnungen aller am Schulleben Beteiligten und strukturiert den Unterricht ebenso wie die außerunterrichtlichen Aktivitäten.
Jeder Mensch - ein einzigartiger Gedanke Gottes
Dabei achten wir jeden Menschen als Ebenbild Gottes in seiner Einzigartigkeit, in seiner Würde und in seiner Religiosität. Für uns konkretisiert sich das christliche Menschenbild in der inklusiven Verwirklichung der Verschiedenheit und der individuellen Förderung, gemäß der vorbehaltlosen Zuwendung Gottes zu allen Menschen.
Wir verstehen jede Person mit ihren Besonderheiten als unverzichtbaren Teil der Gemeinschaft. Das ist für uns am evGBM die besondere Botschaft, die den Schulalltag im Sinne einer evangelischen Erziehung leitet. Nicht nur geprägt durch die Gottesdienste am Mittwoch, in der Stadtkirche und hier in der Schulaula, durch die Gottesdienst-AG’s und die vielen spontanen Hilfsaktionen für Menschen in Not. – Sondern: jeglicher Fachunterricht stellt sich nicht erst dann ethisch-religiösen Fragen, wenn sie qua Lehrplan vorgesehen sind.
Unser Unterrichts- und Erziehungsverständnis geht dahin, dass keine Lehrerin, kein Lehrer zur Tagesordnung übergehen kann, wenn Ereignisse apokalyptischen Ausmaßes geschehen, wie wir sie in unseren Tagen auf Haiti, in Fukushima und anderswo erleben. Es geht immer um den Menschen, es geht immer um alle Menschen und es geht immer um Gottes Schöpfung. Selbstverständlich gehören auch Ereignisse in unserem Land dazu.
Jeder Mensch - zur Gemeinschaft bestimmt
Und so lernen unsere Schülerinnen und Schüler auch immer, dass sie selbst angefragt und Teil einer großen Gemeinschaft sind. Dabei kommt es nicht darauf an, als Lehrer zu einem Ergebnis zu gelangen. Das Ergebnis ist ein fortdauernder Prozess: die Jugendlichen nicht gleichgültig werden zu lassen, in ihnen das Bewusstsein zu schärfen, dass christliche Ethik nicht bei meinem Nächsten endet, sondern die gesamte Schöpfung und damit den Menschen in seiner Mitkreatürlichkeit umfasst. Der Alltag wird in solchen Momenten - sinnorientiert - unterbrochen und bleibt doch ganz in der Nähe.