Schulprojekte

Comenius-Projekt

Gemeinsam auf den Spuren des Apostels

 

In Saloniki gründete der Apostel Paulus eine der ersten christlichen Gemeinden Europas. Von dort breitete sich das Christentum über den ganzen Kontinent aus, bis ins heutige Deutschland.

 

BAD MARIENBERG. Für zehn Tage gastieren 30 griechische Schüler und vier Lehrkräfte in Bad Marienberg. In Zusammenarbeit mit dem evangelischen Gymnasium bauen Deutsche und Griechische Schüler Verständnisbrücken zueinander auf. Dabei sei die christliche Ausrichtung eine gute Basis für eine lang anhaltende Freundschaft, so Bürgermeister Jürgen Schmidt. Die griechischen Gäste übernachten im Marienberger Europa-Haus. „Von dort weht der europäische Gedanke schon seit 50 Jahren“, würdigte Schmidt.

 

Neben viel gemeinsamer Zeit mit den deutschen Austauschschülern lernen die Griechen auch das deutsche Schulsystem kennen. Die Aktion wurde durch das Comenius-Fremdsprachenprojekt mit insgesamt 37000 Euro gefördert. Auf gemeinsamen Fahrten in das Phantasialand nach Brühl und in die Kölner Innenstadt werden die freundschaftlichen Eindrücke verstärkt und bleiben lange in positiver Erinnerung. „Wir haben gemeinsame christliche Wurzeln“, sagte Konrektor Dirk Weigand, „erweitern wir unser Wissen und unsere Herzen.“

 

Die Missionsarbeit des Paulus baut mentale Brücken ganz im Sinne der Europäischen Gemeinschaft. Unterschiedliche Kulturen, Lebensräume und Schulsysteme, selbst verschiedene Konfessionen stellen dabei kein Hindernis dar. „Ihr seid diesem Pfad gefolgt“, grüßte Pfarrer Eckhard Brandt die Kinder Griechenlands. Weigand erklärte: „Die Religion ist keine trennende, sondern eine verbindende Gemeinschaft.“

 

Der Erzpriester des orthodoxen Patriarchats in Bonn, Sokratis Ntallis, erklärte sich gerne bereit, gemeinsam mit den evangelischen Pfarrern Peter Wagner und Swenja Müller einen Gottesdienst zu feiern – erstmalig in der evangelischen Kirche in Bad Marienberg. Ntallis beschrieb den griechisch-orthodoxen Gottesdienst als ein bewusstes Empfinden der göttlichen Mystik. Der ökumenische Gottesdienst hingegen war freier gestaltet. Griechische und deutsche Kinder erzählten abwechselnd, wie Saulus zum Paulus wurde und sein Leben gab für das Verbreiten der Ethik Jesu. Wagner bezog dies auf die Gegenwart: „Auch heute fällt es uns immer wieder wie Schuppen von den Augen.“

 

Dietmar Held vom Schulelternbeirat war begeistert von dem Projekt und versprach, die Eltern würden den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. Der griechische Schulleiter Panagiotis Mouchtidiotis war sichtlich bewegt, so viele warme Herzen zu treffen. Er freute sich, in diesem „großen Land“ Europas zu sein. Vorurteile könnten abgebaut, neue Freundschaften geschlossen werden. Die Übereinstimmung von Theorie und Praxis in Deutschland habe seinen Horizont erweitert. „Der Unterricht in Griechenland ist viel theoretischer, frontaler“, ergänzte Deutschlehrerin Anna Varvari. Die Aufgeschlossenheit, moderne Methoden kennenzulernen, zeige Pioniergeist, konstatierte der Marmer Schulleiter Hartwig Scheidt. Er dankte seinen Kollegen Dirk Weigand und Petra Thelen für die Organisation.

  

Im September gibt es die griechische Antwort. Dann reisen die Westerwälder nach Thessaloniki, um diese andere Kultur zu erleben. Besucht werden auch Originalstätten, wo Paulus gewirkt hat.

 

 

Thomas Sonnenschein